
Panel zur GenZ: „In Konferenzräumen werden Ideen getötet und nicht geboren!“
Alle wollen sie für sich gewinnen – die GenZ. Doch wie geht man dabei vor? Darin, dass die Ansprache der jungen Zielgruppe am besten durch junge Creator gelingt, waren sich die Teilnehmer des Panels ebenso einig wie in der Einschätzung, dass die Monetarisierung nicht am Beginn eines Produkts für die junge Generation stehen sollte. „Es braucht Raum, damit sich Ideen entwickeln können“, betonte Thomas Schultz-Homberg, CEO der Kölner Stadt-Anzeiger Medien. Er diskutierte mit Marco Kruse von Ingame, Martin Fleischhacker von der Wiener Zeitung und Amelie Marie Weber von der Tagesschau.
Medien funktionieren für die junge Zielgruppe anders. TikTok, Instagram, YouTube und Co. sind die relevanten Kanäle, die mit neuen Formaten bespielt werden müssen und eine angepasste Ansprache erfordern. Dabei ist die GenZ keine homogene Gruppe, wie Amelie Weber betonte. „Junge Menschen wählen sowohl rechts als auch links. Aber: Das Digitale und der Wunsch nach mentaler Gesundheit einen diese Generation.“ Deshalb stelle man sich bei der Tagesschau nicht nur die Technikfrage, sondern auch: „Wie schaffen wir es, dass sich junge Menschen nach den Nachrichten nicht schlechter fühlen als vorher?“ Martin Fleischhacker unterstrich in diesem Zusammenhang die Relevanz von konstruktivem Journalismus, weil „Nachrichtenvermeidung ein riesiges Thema ist“. Gleichzeitig betonte er den demokratisch-politischen Auftrag der Medien.
Freiräume schaffen statt Preisschilder kleben
Um Relevanz auf den neuen Kanälen aufzubauen, sei es nach Auffassung von Thomas Schultz-Homberg wichtig, zunächst Teil der Entwicklung zu sein – ohne sofort an Monetarisierung zu denken: „Eine neue Medienarchitektur wird entstehen, und damit auch neue Geschäftsmodelle, die wir heute noch nicht kennen.“ Die Verlage sollten sich nicht verkrampfen, sondern stattdessen für Freiräume sorgen, damit die Redaktionen neue Produkte entwickeln können. Und diese entstünden nicht in Konferenzräumen. „Dort werden Ideen getötet und nicht geboren.“
Damit bleibt die Frage nach der Finanzierung zunächst offen. „Wir werden es nicht erzwingen können, indem wir versuchen, den jungen Leuten Dinge anzudrehen, die sie nicht haben wollen“, so Schultz-Homberg. Gute Möglichkeiten sehe er aber schon jetzt in der Querfinanzierung, etwa durch Veranstaltungen für die junge Zielgruppe.
„Wer Aufmerksamkeit will, muss sie sich verdienen“
Dass Plattformen mit entsprechender Reichweite auch in der jungen Zielgruppe gut monetarisieren, davon zeigte sich Marco Kruse, Geschäftsführer von Ingame und Leiter der Business Unit Young Audience bei Ippen Digital, überzeugt. Entscheidend sei jedoch die richtige Ansprache – und genau daran mangele es häufig. „Wir müssen verstehen, dass wir überholt wurden. Die Medienkompetenz der GenZ ist deutlich höher als unsere.“ Es reiche nicht, einfach nur „da zu sein“. „Wer Aufmerksamkeit will, muss sie sich verdienen – mit Storytelling und plattformgerechten Inhalten auf Augenhöhe.“ Dafür müssten sich Medienhäuser neu aufstellen, denn: Junge Menschen warten nicht auf sie.


